Die Idee

Das World Wide Web ist voll von Bastelanleitungen und Lösungsansätzen zu Problemlösungen im Bereich der Fotografie. Und ich setze noch einen oben drauf, möchte aber keinen neuen „Bastelkanal“ aufmachen.

Wer kennt Sie nicht in Fotografenkreisen – Die „Ikea Hacks“. So habe ich z.B. nach folgender Anleitung bei  Fotoespresso  die grössten Tupplur-Rollos in weiss und grau bei IKEA gekauft, auf eine Leiste montiert und zwei Stative dazu aus eigenem Bestand. Fertig ist ein „immer Dabei“ Hintergrund für bis zu Drei-Viertel- Portraits.

Mein Problem

Hier mein Lösungsvorschlag für ein Problem das ich schon viele Jahre mit mir herumgetragen habe. Wie befestige ich ein Kamera(DLSR) senkrecht nach unten ausgerichtet schwebend über meinen Fotoaufbau, z.B. bei Fotoaufnahmen im Bereich der Still Life Fotografie so das ich von allen Seiten gut am Set arbeiten kann oder um z.B. grossformatige Aufsichtsvorlagen zu reproduzieren. Mal abgesehen von einem grossen Studiostativ, das für mich aufgrund der Parameter Grösse, Gewicht, begrenzte Länge des Seitenarms nicht in Frage kam wurde ich nie so recht fündig. Ausklappbare Mittelsäulen an Stativen wurden ausprobiert und als nicht flexibel und lang genug verworfen.

Die Umsetzung

Aus einer Studioauflösung kam ich in den Besitz von Teleskop- und Montagearmen der Firma Manfrotto(FF3249) deren eigentliche Aufgabe es ist Studiozubehör wie z.B. Lampen oder Blitzgeräte an ein Deckenschienensystem zu befestigen. Mit einer Grundlänge von 85 cm kam ich auf eine Auszuglange von 203 cm. Ein Anschluss für einen stabilen Kugelkopf ist vorhanden, die quadratische Konstruktion ist hochwertig verarbeitet und weist eine hohe Querstabilität auf. Was will man mehr.

Der „Manfrotto-Hack“ konnte beginnen.

Die notwendige Demontage der eingebauten Feder gelang mir selber problemlos. Nun ging es darum eine Halterung für den Teleskoparm, passend für mein Plaubel- Studiostativ, bauen zu lassen. Da meine handwerklichen und technischen Möglichkeiten auf dem Gebiet der Metallbearbeitung nicht ausreichen, wurde ein Bruder meiner fotografischen Mitstreiterin und Assistentin gebeten das nach meinen Vorstellungen umzusetzen. Als Azubi in der Metallbranche war das kein Problem.

Der erste „Prototyp“ wurde im Studio in überwiegend für Reproduktionen eingesetzt und hat sich sehr gut bewährt. Der nächste Schritt der sogenannten „mobilen Lösung“ stand an da die Halterung zu sehr an das Plaubel-Stativ angepasst war. Es wurden zwei HSS Einschnitt Gewindebohrer UNC 1/4″ und 3/8″ für ein paar Euro gekauft, einige Fotos von der „Urversion“ gemacht und ein Metallhandwerker gesucht und gefunden. Dieser stellte sich aber nicht besonders kooperativ an. Wollte technische Zeichnungen und auch seine Preisvorstellungen waren utopisch. Der Zufall wollte es das ich am gleichen Tag noch einen Werkstattbesuch bei meinem „Autoschrauber“ hatte. Nach einer kurzen Schilderung meines Problems bot er sich an einen seiner Lehrlinge damit zu beauftragen. Metall biegen, schweissen, bohren und lackieren sei für seine Azubis wichtig da häufig Teile für alte Autos nicht mehr zu bekommen sind und halt neu angefertigt werden müssen. Gesagt getan, nach einigen Wochen hatte ich das Teil in der Hand und es war genau das was ich mir vorgestellt habe. Die Kaffeekasse wurde grosszügig aufgefüllt.

Den Praxistest hatte ich kurze Zeit später. Ein Frühstückstisch eines Kunden musste mittig von oben fotografiert werden und in Rahmen einer Ausstellungsvorbereitung noch Grafiken vor Ort fotografiert werden.

Die Zugabe

Hier noch ein kleines Schmankerl zum Schluss meines Blogeintrags. Ich habe noch vier dieser Teleskop-und Montagearme in meinem Besitz und gebe diese für ein kleines Entgelt plus Versandkosten an interessierte Fotografen ab.